Abschiedsstimmung im Basecamp.... 06.Juni 2020

Seit gestern Abend, erst zwei Tage nach der Abreise unserer Führungscrew, bricht im Camp Aufbruchstimmung aus. Seit Wochen drehen sich die Gespräche immer wieder darum, wie es weitergehen wird..... Bei vielen ist die Luft raus. Die Temperaturen um die 30 Grad bei einer Luftfeuchte von mehr als 70% (die Wäsche wird kaum noch trocken), fast jeden Tag Regen, unzählige kleine Blutsauger in der Luft, und der digitale Austausch mit den Lieben daheim haben die Hoffnung auf baldige Fortsetzung der Reise (für eine Weiterfahrt in Richtung Mexico stehen die Zeichen schlechter denn je) der meisten unserer Truppe auf den Nullpunkt sinken lassen. Für die kleineren Fahrzeuge scheint es eine Möglichkeit zu geben, die Autos aus dem costaricanischen Hafen Puerto Limon nach Europa zu verschiffen. 

5 Fahrzeuge blasen zum Aufbruch..... Die Autos werden gewaschen, das Inventar verstaut, Hafen- und Zollformalitäten vorbereitet, nach Hotels und Flügen gesucht  .... und für das immer kleiner werdende Häufchen im Basecamp wird es langsam traurig ...

 

 

 

Nach dem Aufbruch des kleinen Schweizer Clans in Richtung Karibikküste hält es uns nicht mehr lange im Basecamp, zumal Hartmut und Karin nach ihrem erfolglosen Werkstatttermin inzwischen wieder allein bei Heiko auf der Ranch stehen. Die Begrüßung bei unserer Ankunft fällt stürmisch aus, wir wurden also schon sehnsüchtig erwartet..... und es dauert nicht lange, da tagt auch hier der „Kriegsrat“ ..... wie soll es weitergehen? Gibt es vielleicht auch für uns die Möglichkeit einer solchen Verschiffung? 

 

 

 

Wir wollen den Dingen auf den Grund gehen und uns vor Ort ein Bild über den Werdegang machen. Da Hartmut eh auf seine Ersatzteile warten muss (die kommen aus Österreich), mieten wir uns kurzer Hand ein Auto, packen unsere Sachen für ein paar Tage und brechen auf zu neuen Ufern .... nämlich den karibischen. So können wir zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen, tatsächlich neue Gefilde erkunden und den Verschiffungsvorgang hautnah miterleben. Wir setzen die zwei Heimkehrer unseres Ausreißersixpacks, Jens und Alice, von unserem Vorhaben in Kenntnis, lassen uns zwei Zimmer im gleichen Hotel reservieren und los geht´s. In Puerto Limon angekommen, werden wir jubelnd begrüßt. Wir genießen noch einmal gemeinsam die nächsten Tage mit Ausflügen nach Puerto Viejo und Manzanilla mit wunderbaren Bilderbuchkaribikstränden und feiern dieses Mal ganz ohne Hektik unseren Abschied mit leckerer Pinacolada con ron in der happy hour.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dann wird es ernst. Von der Hotelterrasse aus beobachten wir das einfahrende Schiff .... Erleichterung stellt sich ein und als die Männer (also die Fahrzeughalter) die Autos aus dem Zoll in den Hafen fahren sollen, dort jedoch kein Platz für 5 Fahrzeuge dieser Art mehr war, musste der Hotelparkplatz als „Zollverschluss“ herhalten. Wir haben uns kaputt gelacht. Die Autos waren weder versiegelt noch sonstig kontrolliert worden. Naja, es hatte niemand Rauschgift an Bord. 

 

 

Nach drei Anläufen am kommenden Tag war es dann aber wirklich soweit und wie Helden werden die Männer bei ihrem Eintreffen am anderen Morgen gefeiert mit abenteuerlichen Bildern ausgestattet. Sie mussten tatsächlich die Nacht im Hafen in den Wohnmobilen verbringen (ohne ein Auge zu schließen), da sich die Verladung der Fahrzeuge bis zum Morgen hinzog.

 

 

 

 

Wir sind beim Anblick der Verladefotos skeptisch, ob dies tatsächlich auch für uns eine geeignete Option darstellt .... aber ein Versuch ist es wert und wir werden auf jeden Fall dranbleiben..... Unser aufregender Ausflug in die Karibik geht zu Ende, noch einmal Abschied mit der Aussicht auf ein vielleicht doch baldiges Wiedersehen und am Montag treten wir die Rückfahrt in die Montes de Oro an. Die Schweizer werden von San José über Houston und New York nach Zürich zurückfliegen, eine 42- Stunden- Odyssee.

 

 

Viele Fragen bleiben für uns offen, die hoffentlich in Bälde zu klären sind. Wir steuern erst einmal das nächst liegende Ziel an, die Reparatur von Hartmuts Auto. Dazu müssen die Ersatzteile aus dem Zoll geliefert werden, eine Zerreißprobe für Hartmuts Nerven, denn das dauert .... und er kann sich mit den hiesigen elastischen Zeitangaben einfach nicht anfreunden ....

Also heißt es, selbst Hand anlegen .... mit Erfolg .... die Teile sind aus der Hauptstadt San José bei UPS abgeholt, der nächste Werkstatttermin gebongt und die Welt ist wieder in Ordnung!!! 

 

Am Montag heißt es auch, von Jasmin und Heiko Abschied zu nehmen. Wir sind schon fast Teil der Familie aber diesmal scheint es endgültig zu sein. Nachdem wir inzwischen seit 3 Monaten in Costa Rica unterwegs sind (wir haben mit 4000 km dieses herrliche kleine Land wirklich ausgiebig bereist) und in absehbarer Zeit eine Weiterreise nach Norden nicht möglich ist, haben wir uns endgültig entschieden, unser Abenteuer in Costa Rica zu beenden. Die Zahl der Covid19-Infektionen ist auch hier nach den ersten Lockerungen sprunghaft angestiegen und die Restriktionen wieder verschärft worden. Es wird Zeit, heimzukehren!

 

 

 

Zuvor wollen wir uns allerdings noch einmal in den Nebelwald zu unseren Truchas Selva Madre begeben, um uns auch dort, in das Mysterium eintauchend, zu verabschieden. 

Danach hoffen wir, Antworten auf unsere Anfragen bezüglich der Verschiffungsmöglichkeiten für unsere Fahrzeuge zu bekommen.....